We don't know who discovered water, but we know it wasn't a fish

"In Zukunft werden viele Inhalte des ORF rein digital konsumiert werden. Hierfür ist derzeit keine Gebühr zu entrichten. Um einen erfolgreichen Ausbau dieser Aktivitäten auch in Zukunft stabil finanzieren zu können, ist es notwendig, dass Gebühren auch für den Onlinebereich eingehoben werden dürfen. Es ist denkbar, ein Grundangebot kostenfrei und weitere Zusatzfunktionen nur mit einem an die GIS-Gebühr gebundenes Log-in anzubieten."

Solange nicht einmal oder vielleicht vor allem Medienjournalisten und Publizistikprofessoren in Österreich in diesem erschreckenden Ausmaß irgendeine Ahnung von Medien, ihren Technologien, deren Wirkungen und Strukturen haben, werden alle Medienstrategien sowie die Kritik daran auf einem irgendwie elenden Niveau verharren.

"Digital" wird von der Mehrheit der Fachmenschen in und um diese Branche herum als "Chiffre" oder "Metapher" gerne für die aktuelle Phase der Wahrnehmungs- und Kommunikationsrevolution, die seit dem Ende des 2. Weltkrieg in Gang gekommen ist und die seit der massenhaften Verbreitung des "Internet" überall durch die diesem innewohnende Übertragungs-Symmetrie noch einmal beschleunigt wurde, gebraucht. Allerdings sollte man schon daran, dass fast die gesamte "Digitalisierung" der Medien in den 70er-Jahren begonnen und in den 90er Jahren fast vollständig abgeschlossen wurde, leicht erkennen können, um wieviel falscher und reduktiver diese Metapher in der Gegenwart noch geworden ist. Andererseits zeigt es uns, dass die strategisch Interessierten der Branche, allen voran CEOs und Strategieberater erst jetzt und damit viel zu spät beginnen, diese Revolution ernst zu nehmen und sie deswegen erst recht nicht wirklich begreifen können.

Auch in den 90ern war "Digitalisierung" ein Begriff, der nur einen kleinen, wenn auch wichtigen, Teil des Prozesses bezeichnete, schon kontraproduktiv. Die Digitalisierung war wichtig, um die Menge der Informationen, die im elektromagnetischen Spektrum in Vakuum, Luft, Kupferleitungen, Glasfasern, Halbleitern usw. übertragen und verarbeitet werden kann, drastisch zu erhöhen. Vor der Digitalisierung konnte elektrische 2-Wege-Kommunikation wirtschaftlich für alle (die sogenannten Massen) nur für Töne durchgeführt werden, während Bild und Ton nur in eine Richtung und dazu rundum durch Vakuum, Luft und Koaxialkabel gesendet werden konnte.

Auf elektrischen Analogien zu Schall- und Lichtwellen beruhte tatsächlich nur die Audioübertragung und -aufzeichnung und für das Bild gilt das Gleiche nur für die Videotechnologie, nicht für die Fotografie und den Bildteil des Kinofilms. Und die Alphabet-Schrift, die war natürlich seit den alten Phöniziern eine digitale und komprimierte Notation der gesprochenen Sprache und hat daraus durchaus auch ein Eigenleben entwickelt und ihrerseits auf das Sprechen aller, die sie verwendeten, zurückgewirkt. Darauf, dass die Medienmacher und die Menschen, die in Medien agieren, Medien nicht wahrnehmen können, hat Herbert Marshall McLuhan 1968 in seinem Buch "War & Peace in the Global Village" in der Metapher, die wir im Titel wiedergeben, ein sehr schönes Streiflicht gesetzt.

Für den Fall, dass nun immer noch nicht klar ist, was wir meinen:

  1. Bereits in der Gegenwart werden alle Inhalte des ORF mit Ausnahme der über Frequenz-Modulation (FM, UKW, reanalogisierte digitale Signale) gesendeten Audio-Inhalte digital konsumiert. Das ist so seit der endgültigen Abschaltung des "Analogfernsehens" im Jahr 2011. Auf der Produktionsseite ist im ORF schon seit den 90er Jahren alles digital. Der Begriff Digitalisierung ist die schlechtestmögliche Metapher, um die aktuelle Transformation der menschlichen Kommunikation und damit aller Medien zu begreifen. Man kann das daran erkennen, dass natürlich auch alle anderen Medien schon lange Produktion und Distribution "auf digital umgestellt" haben. Daraus wiederum darf man/frau schließen, dass die Digitalisierung kein großes Problem war und in der Gegenwart nicht sein kann. Dass der Ersatz von Röhren-Kameras und analogen Bandmaschinen durch Geräte mit Digitalsensoren und Computer etwas mit Digitalisierung zu tun hat, stimmt schon, aber das ist, wie bereits gesagt, schon lange durch. Darum ging es tatsächlich auch nie und es ist auch nur ein Faktor in der aktuellen Veränderung der Welt, die für alle Incumbent-Medien nun tatsächlich schwer zu bewältigen ist.
  2. Für den Konsum von Audio- und Video-Inhalten ist tatsächlich sehr wohl Gebühr zu entrichten und zwar ganz unabhängig davon, ob sie digital oder analog konsumiert werden. Weil aber in Österreich höchstgerichtlich entschieden wurde, dass Computer ohne TV- bzw. Radio- aus Luft- und Kabel-Empfangseinrichtung keine Rundfunkempfänger sind und daher, nach der sonstigen österreichischen Gesetzeslage, das sogenannte Streaming kein Rundfunk ist, das Programmentgelt wiederum zwingend an die Rundfunkgebühren gebunden ist, kann jedefrau im Land ohne Entrichtung des letzteren alle über das Internet angebotenen und mittels Computer hör- und sichtbar machbare Inhalte des ORF konsumieren, solange sie kein empfangsbereites "Rundfunkgerät", vulgo Fernseher oder Radio, in der Wohnung haben. Und das sind alle relevanten Inhalte. ORF-intern wird das "Streaming-Lücke" genannt. Weil das sogenannte Programmentgelt (§31 ORF-G) wiederum ist an die staatliche Rundfunkgebühr gebunden ist, heißt es, von außen betrachtet, "GIS-Lücke".
  3. Die sonstigen Internet-Inhalte, die der ORF wie jedes andere Medienunternehmen, egal ob staatlich, öffentlich-rechtlich oder privatwirtschaftlich, produziert, sind gesetzlich noch nie an die RF-Gebühr gebunden gewesen, weil sie materiell eben nicht den Besitz eines Rundfunkempfängers voraussetzen. Sie wurden von 1998 bis 2010 durch eine extrem einfache und kurze "kann/darf"-Bestimmung gedeckt und sind seit 2010 im Programm- und Versorgungsauftrag enthalten, wären aber nur an die Rundfunkgebühr gebunden, wenn sie rechtlich unter die gesetzliche und höchstgerichtliche Definition von Rundfunk fallen würden. Das ORF-G nennt die Darbietung dieser Inhalte nicht Programm sondern Angebot, bestimmt im Gegenzug jedoch implizit, dass der ORF für die Produktion dieser Inhalte Programmentgelt verwenden darf. Man zahlt also jetzt schon für alle nicht "kommerziellen" Online-Inhalte des ORF (kommerziell z. B. SkiChallenge 2011, Flimmit, Nachlese ...) Programmentgelt, wenn man über das Rundfunkgebührengesetz verpflichtet ist, Rundfunkgebühr und damit Programmentgelt, das einen Teil der Rundfunkgebühr, nämlich den Anteil, der dem ORF zusteht, zu entrichten.

Um all diese Details brauchen sich die digitalfortschrittsgläubigen CEOs, ihre Berater und ihre Kritiker ja nicht zu kümmern, auch nicht darum, dass Digitalisierung, wie gesagt, mit "Nachsicht aller Taxen" nur für die Zeit von Mitte der 80er- bis zum Ende der 90er-Jahre eine brauchbarer Begriff ist. Darüber, dass die Schrift und die schriftlichen Zahlensysteme, besonders das sogenannte "arabische", die die letzten paar 1000 Jahre verwendet worden sind, dass die Fotografie und der Kinofilm von ihrer Erfindung weg beide sehr digital waren, dass beide zuerst durch die elektro-magnetische "analoge" Übertragung und Aufzeichnung von Tönen und dann Bildern in ihrer absoluten Bedeutung reduziert wurden und dass die heutige "high definition" der "digitalen" Verarbeitung sie auf der Wahrnehmungsebene auch viel "analoger" macht als unsere vorangegangenen "technischen" Systeme, sollte man dringend beginnen, nachzudenken und zu diskutieren.

No need to care

Genauso wenig müssen sich diese "Expertinnen und Experten" darum scheren, dass der Verfassungsgerichtshof es zwar für verfassungsgeboten hält, dass der ORF in sozialen Medien seine Inhalte und das Publikum Beiträge dazu publizieren kann/darf, es andererseits aber nicht für verfassungswidrig hält, dass das ORF-G in § 4f Abs.2 gleichzeitig der Publikation von Inhalten durch das Publikum im ORF.at-Netzwerk völlig absurde Beschränkungen auferlegt.

Dass die damalige ORF-Geschäftsführung diesen Beschränkungen im Zuge von "Geheimverhandlungen" mit den Privatmedien-Verbänden selbst zugestimmt hat, tut dem aus meiner Sicht keinen Abbruch. Oder verwechsle ich da die österreichische Gesetzmach-Praxis mit einer übergeordneten legalen Systematik, die ich, quasi nur autodidaktischer juristischer Laie, übersehen habe?

“A fish does not realize its medium until that water changes through adding ink or poisons”.

 

manche nennen das

low hanging fruits, no?¿

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Low hanging fruit

1 comment, lower geht es mathematisch schon aber psychosomatisch nicht.

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last updated: 24.11.21, 20:49
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with four letters it becomes easier though i am not sure with hafi… anyhoo, inms guessing acronyms or whatever this is. *it’s not my steckenpferd
by tobi (24.11.21, 20:49)
Should be
pretty easy to guess from the context and image who HaFi and InTu are. Besides, thx for the hint to the open bold-tag.
by MaryW (22.10.21, 01:16)
Low hanging fruit
1 comment, lower geht es mathematisch schon aber psychosomatisch nicht.
by MaryW (15.10.21, 19:51)
...
da ist wohl ein <b> offen geblieben… und wer oder was sind HF und IT?
by tobi (25.09.21, 10:50)
manche nennen das
low hanging fruits, no?¿
by motzes (25.08.21, 20:33)
Freiwillige Feuerwehr
Wie ist das mit den freiwilligen und den professionellen Feuerwehren? Wenn 4 Häuser brennen und nur 2 Löschzüge da sind, dann gibt es doch eine....
by MaryW (22.07.21, 07:06)
Well
That is a good argument and not to be underestimated. I was convinced a malevolent or rigid social environment (the others) posed the largest obstacle....
by MaryW (18.07.21, 08:54)
Und noch etwas
Die Schutzkleidung ist ein großes Problem. Sie verhindert allzu oft, dass mann mit anderen Säugetieren gut umgehen kann.
by StefanL (26.05.19, 07:09)
Yeah
U get 1 big smile from me 4 that comment! And yes, i do not like embedded except it is good like this. It's like....
by StefanL (19.05.19, 16:30)
Mustererkennung
Just saying. #esc #strachevideo pic.twitter.com/OIhS893CNr— Helene Voglreiter (@HeeLene) May 19, 2019 (Sorry, falls embedded unsocial media unerwünscht ist…)
by tobi (19.05.19, 10:57)
Yeah
That's an adequate comment! Und das erste Zitat ein ganz besonders tolles Beispiel für den "Umschlag von Quantität in Qualität".
by MaryW (15.05.19, 19:57)
...
In the future everyone will be famous for fifteen people. – Momus You’ll always be a planet to me, Mr Bacchus. – Charon Fußnote! Find ick knorke.....
by tobi (15.05.19, 14:07)
Now
I think I maybe know what you meant. It is the present we know best and the future we invent. And history is mostly used....
by StefanL (13.05.19, 00:55)
...
???
by StefanL (05.05.19, 21:15)
...
what about hindsight is 20/20?
by tobi (05.05.19, 14:00)
Ja echt.
Vielleicht schaffen wir es aber ja wieder einmal auf ein Konzert zusammen.
by StefanL (01.05.19, 05:55)
...
oh schade, verpasst…
by tobi (30.04.19, 09:07)
...
Als ethnische Gruppe bezeichnete Max Weber eine "Menschengruppe, welche auf Grund von Ähnlichkeiten des äußeren Habitus oder der Sitten oder beider ... einen subjektiven Glauben....
by StefanL (28.04.19, 07:28)
vielleicht aber
hat er auch während des Moderierens seinen Text sozusagen live in die Wikipedia kopiert? (leider wird diese theorie durch überprüfung der datenlage nicht unbedingt erhärtet.)
by chris (30.03.19, 09:08)
d'accord
👍
by misc (28.03.19, 09:28)

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