Why I Fell Out of Love With Narendra Modi

Kommentar der Herausgeberin
Was für ein absurder Titel, geschätzte Leserinnen, werdet Ihr Euch vielleicht fragen. Wie kann MaryW jemals "in love" with Narendra Modi gewesen sein: Schiach, alt, Hindu-Fanatiker, entweder stock-konservativ oder gar reaktionär.

Ein Herr namens Gurcharan Das hat einen Artikel mit dem Titel "The Modi Mirage" in der der politischer Vernunft verschriebenen aber nicht gerade revolutionären weltpolitischen Zeitschrift "Foreign Affairs" veröffentlicht und äußerte darin seine Enttäuschung über das Gebaren des indischen Premierministern mit einer Liebesmetapher. Die tinytalk-Redaktion hat ein Online-Abo von Foreign Affairs und ich lese den Website recht regelmäßig. Man erfährt da von Vorgängen in der Welt, über die man in unseren Zeitungen sowie in Spiegel und Profil nichts liest.

Ich lese "Foreign Affairs" auch sehr gerne, weil es ein gutes Gegengift zu den Beschränkungen ist, die einem das Leben im eigenen Granfalloon und sogar auch im eigenen Karass und das angenehme Phänomen der Faulheit halt so auferlegen.

"Foreign Affairs" ist eine teure Zeitschrift und online viel billiger, aber leider nicht free to air. Als bietet tinytalk wieder einmal für die wenigen Interessierten eine kleine Zusammenfassung mit Kommentar an.

Worum geht es?

Herr Das scheint politisch liberal zu sein und ökonomisch eher einer der sogenannten konservativen Schulen anzuhängen. Er schreibt im ersten Absatz:

Sick of the drift and paralysis in the government of Prime Minister Manmohan Singh, many Indians longed for a leader who would get the nation out of the mess. The situation was not unlike Britain’s in the late 1970s. Britain found Margaret Thatcher; India found Narendra Modi.

Im nächsten Absatz lesen wir: As chief minister of the state of Gujarat, Modi had built a vibrant economy and reduced corruption. His campaign speeches, with their single-minded focus on vikas (development) were fresh and mesmerizing. But people were also wary. Modi was considered dictatorial and anti-Muslim.

"Er habe sich auch lange überlegen müssen, ob er einen Politiker wie Modi wählen könne" schreibt Das weiter. "Aber er habe auch geglaubt, dass die indische Regierung nicht genug unternähme, damit das Land mehr von seiner extrem jungen Bevölkerung, von der ungefähr die Hälfte unter 25 sei, profitiere."

Herr Das trifft eine schwierige Entscheidung

I contemplated a dilemma. Should India risk its precious commitment to secularism and pluralism for the sake of prosperity, jobs, and fighting corruption? I agonized for months and then did something unusual. I decided, for the first time in my life, to vote for the right-wing, Hindu nationalist Bhartiya Janata Party (BJP)—and I did so because Modi was its leader.

In der Folge erfahren wir noch, dass Herr Das unter den ersten indischen Liberalen war, die Modi öffentlich unterstützten und zwar in seinen Sonntagskommentaren, die er nach eigener Aussage und sicher wahrheitsgemäß für die "Times of India" und sechs andere indische Zeitungen schreibt.

Ein wenig intellektuelle Rechtfertigung

There was no denying that Modi was a sectarian and authoritarian figure. But I knew that India’s democratic institutions were strong enough to prevail over those tendencies.

"Nichts werde Modi von seiner Verantwortung für die Ausschreitungen in Gujarat im Jahr 2002 entbinden. Aber andererseits könne auch nichts den moralischen Imperativ abschwächen, die in Indien weitverbreitete - aus Sicht von uns Europäerinnen extreme - Armut mit einer guten Wirtschaftspolitik zu bekämpfen. Eine Stimme für die BJP sei in seinen Augen ein kalkuliertes Risiko gewesen. Millionen von Indern hätten ähnlich gedacht und Modi so seinen Erdrutschsieg ermöglicht.

Die ernüchterte Bilanz

Five years on, I am disillusioned. Modi has delivered only partially on his economic promises, and he has unconscionably polarized the country. With a GDP growth rate of roughly seven percent, India’s is the fastest-growing major economy, but this growth has not brought the promised jobs.

Herr Modi habe seine große Mehrheit im Unterhaus (ein seltener Fall in der indischen Politik) auch nicht genutzt, um die weitreichenden Reformen, die er versprochen hatte und die Indien wettbewerbsfähiger gemacht hätten, umzusetzen. Er hätte zum Beispiel eine richtige Landreform machen und damit den jüngsten Zusammenbruch der Nahrungsmittelpreise verhindern können. Damit wäre sehr wahrscheinlich das Leben zahlloser Bauern in Indien deutlich verbessert worden.

Er hätte Indiens auf kleiner Flamme brennende Bankenkrise nutzen können, um die am schlechtesten funktionierenden verstaatlichten Banken zu privatisieren. So seien diese Banken weiter den Weg von Indian Air, der Staatsfluglinie, gegangen, die von ihrem Management jüngst in den Fast-Bankrott geführt worden sei. Keine andere Demokratie der Welt habe 70 Prozent ihres Vermögens in verstaatlichten Banken gebunden, wo immer die Versuchung groß ist, Darlehen und Kredite mit politischen Bedingungen und Vorgaben zu verknüpfen. Modi hätte sich z.B. auch mehr auf die Export-Wirtschaft konzentrieren können.

Instead, he has been gradualist like his predecessors, broadly operating within the old consensus of excessive public ownership and state control.

Mein etwas böser Abschluss

Man könnte ganz ähnliche Sachen über Margaret Thatcher und Ronald Reagan im Nachhinein schreiben. Die angeblichen konservativen "Leader" sind nämlich seit Ende der 70er Jahre nur Frontfiguren für Änderungen in Staat, Politik und ihrer Gesetzgebung, damit im Hintergrund reaktionäre Politiker-Lobbyisten die wirtschaftliche Mechanik so verändern können, dass Unternehmen und ihre Eigner bevorzugt und die sogenannten Arbeitnehmer und Arbeitsverlierer benachteiligt werden, im Gegenstück dazu der Staat aber unter Kontrolle bleibt und die Wähler - wenigstens im Hiblick auf erziehlbare Mehrheiten - doch nicht zu sehr davonrennen.

Die Erben von Reagan, Thatcher, Kohl - und leider auch Mitterand - sind eher schlechter als besser. Frau Merkl hat in Deutschland den sozialen Frieden erhalten um den Preis, dass die ganze deutsche Infrastruktur kaputt ist. Und bei den jüngeren Kalibern kann man höchstens den Vergleich machen, wie gut sie bei "Message Control" sind und sonst gar nix. Beim famosen Herrn Cameron ist sie jetzt halt schon einmal richtig schon in die Hose gegangen, die gut konzipierte populistische Botschaftenbeherrschung.

Und das mit den Enttäuschungen von liberalen Intellektuellen wie Herrn Das wird sich auch noch ein paar Male wiederholen. Vielleicht sollte er sich in "Herr Was" unbenennen und die ganze Sache beim nächsten Mal vorher bis zum Ende durchdenken. Amen.

Nach dem Amen

Nach dem Amen sollte - genau wie nach dem Basta - nichts mehr kommen. Aber genau wie nach dem Gottesdienst bei manchen doch noch das Kaffeehaus kommt, kommt hier noch ein Rezept, nämlich ein ganzer langer Absatz aus Herrn Das' Essay. Das ist an der Grenze des Erlaubten und Üblichen beim Zitieren, aber es ist so gut, das wir es der geschätzten abolosen Leserinnenschaft einfach nicht vorenthalten wollen. Noch dazu ist ein schönes klassisches recipe for failure. Und hier in Jamaica lieben wir failure.

Moreover, Modi announced too many programs at once and tried to execute them all himself. He centralized decision-making in the prime minister’s office - something he had done successfully as chief minister of Gujarat. But India, with its federal structure, is not Gujarat. A chief minister may be all - powerful in a given state, but a prime minister has to learn to implement programs by motivating and cajoling regional leaders across the country. To make matters worse, Modi seems to have been continuously in an election mode for the past five years. Constant campaigning diverts the executive’s attention from executing reforms that often bring short-term pain for long-term gain. To be fair, Modi was aware of this problem - he championed introducing simultaneous state elections across the country, but the idea lacked support among other parties.

 
last updated: 23.04.19 23:21
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