Words of History, Bits of Advice

"Like processed food, whose cost is mostly in the packaging and marketing, so with calculators: technology no longer determined commercial success. Two Japanese firms with consumer marketing skills, Casio and Sharp, soon dominated. Thirty years after completion of the half-million ENIAC, digital devices became commodities. The pioneering calculator companies either stopped making calculators, as did Wang, or went bankrupt, as did Bowmar. Hewlett-Packard survived by concentrating on more advanced and expensive models; Texas Instruments survived by cutting costs.
Paul E. Ceruzzi: A History of Modern Computing, MIT, 1998, Hervorhebung durch die Redaktion

Von den Micro-Chips in den ersten electronischen Taschenrechnern bis zu den x Kernen und Milliarden Komponenten heutzutage war es noch eine Weile hin (ca. 50 Jahre). Dafür kann man aus dem obigen Satz doch einiges für die Abschätzung der heutigen Entwicklung bei unseren glorifizierten Super-Computern für die Hosentasche lernen. Ein kleiner Hinweis: Warum wohl war Steve Jobs der große Gewinner im Rechentelefonrennen? Seine technologischen Kenntnisse waren es nämlich nicht.

Auf der anderen Seite spielt Technologie schon eine Rolle. Einerseits muss man wissen, was geht, was wie und wo wohlfeil lieferbar ist und wie man eine Tech-Ökologie (Hardware und Software, Anwendungen und Werkzeuge) baut und längerfristig dynamisch und entwicklungsfähig hält. Den ersten Teil konnte Jobs ganz gut von Anfang an. Die Lektion mit der Ökologie und 3rd parties hat er trotz Wozniak viele Jahre lang bitterst lernen müssen. Wohl erst beim iPhone hatte er das wirklich begriffen. Und da erst nur für die Software. Bei der Hardware hat er es nie gelernt. In Tech-Ökologie war lange Microsoft besser als Apple und sind es heute wahrscheinlich Google und Amazon. Apple hat's immerhin von 2007 bis 2017 sehr gut gemacht. Mal sehen.

Und noch etwas: Moore's Beobachtung und Prognose (vulgo Moore's Law) im Sinn wie die Silikon-Industrie sie für ihre Propaganda benutzt (Verdoppelung der Komponenten auf einem Chip alle x Jahre), hält mit Abstrichen wohl noch ein paar Jährchen. Moore's Prognose, wie sie wirklich in seinen Artikeln steht (Verdoppelung der der Komponenten am optimalen Preispunkt zuerst jedes Jahr, dann alle 2, 3, 4 Jahre), ist schon vor einiger Zeit am Ende angekommen. Googelt mal "28nm forever".

Von 1966 bis 2016 trieb die exponentielle Dynamik der elektronischen Entwicklung eine Revolution an, die alle Prozesse der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Massen- und Individualkommunikation und letztlich auch der globalen Nachkriegsolitik nachhaltig verändert hat. Während die Baby-Boomer-Generation (in der tinytalk-Redaktion leicht überrepräsentiert) und die Gen X die ganze Revolution irgendwie miterlebt haben, können sich die meisten Millenials nur aus Erzählungen von Eltern und Großeltern und die Gen Z gar nicht mehr erinnern, dass es einmal anders war. Das Telefon war noch an der Wand angebunden , das Fernsehprogramm schien in heute nicht mehr aushaltbarer Qualität aus seltsamen Leuchtkästen mit sehr runden Ecken heraus, die Mehrheit der Europäer fuhr oder ging am Morgen in eine Fabrik und Präsidenten, Ministerpräsidenten und Kanzler erfreuten sich bei Wahlen und beim Gesetze- und Verordnungen-machen absoluter Mandats-Mehrheiten.

Und jetzt? In Europa regieren Regierungschefs auf der Basis von 25-35 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen, in den US verlieren sie bei den Stimmen und gewinnen nur durch das Wahlmännersystem und der überwunden geglaubte Nationalstaatsnationalismus feiert fröhliche Urständ' und merkt nicht, wie blöde es ist, mit dem Gefühl zu spielen, in die guten alten 30er Jahre zurück zu wollen. Sie bereuen das Spiel ja schon jetzt, die meisten guten alten britischen Nostalgiker. Der Energieverbrauch in der weltweiten Cloud steigt und steigt. Und an der Peripherie verbrennen die Milliarden Rechen-Chips, Flash-Speicher und Sensoren in immer mehr Konsumgütern, vom Auto über Kühlschränke und Fahrräder bis zum Telefon auch ganz schön Strom. Zusammengerechnet halt.

Geht's vielleicht mal gegen diesen Energieverbrauch demonstrieren, Schüler! Nein? Stinkt nicht? Macht keinen Lärm? Könnt Ihr Euch eh leisten? Wird mit norwegischer Wasserkraft und sauberem tschechischen Atomstrom betrieben? Na, dann ist ja gut. Ihr könnt ja die meist gehörten Songs gleich beim 2. Mal herunterladen und doch wieder den Telefonspeicher verwalten wie früher beim iPod.

 

👍

Interessant. Zu kurz.

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Danke

Was fehlt? Ist extra nach einer klassischen McLuhan-Bacon Regel elliptisch, damit die geneigte Leserin eigene Schlüsse ziehen und eigene Recherchen anstellen kann.

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Hmm

Wir haben Ihre Kritik jetzt doch ernst genommen und einen Satz und einen Absatz eingefügt. Da war wirklich trotz der sehr engen und kompetenten Zielgruppe klar zu wenig Kontext und ein Lernloch drin. Man vergisst das so leicht. Wir hoffen, es ist jetzt besser verständlich, ohne belehrend zu wirken. Wir sind auch dankbar, weil sich dadurch irgendwie ein besserer Text-Bild-Fluss ausgeht.

Danke jedenfalls für den Hinweis!

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von hinten aufrollend

energy:
harvesting energy is ein nettes konzept des letzten jahrzehntes, für energieschluckendes kleinvieh.

wahlergebnisse:
bei mehr antretenden parteien geht sich seltener eine absolute aus, odr? die geschichte italiens fällt mir dazu ein, wenn ich mich richtig erinnere. bin mir auch nicht sicher, ob in diesem fall (wahl) die "tendenz zur rückkehr" anders beurteilt werden sollte als mit schauder.

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Großbritannien

wäre auch ein gutes Beispiel. Trotz Mehrheitswahlrecht Koalition.

Aber Du hast insoferne natürlich schon recht, weil ja die 10-Parteien-Demokratie eher der Normalfall ist als die 4-Parteien Demokratie mit Stimmverhältnis 48:45:4:3 und Mandatsverhältnis 52:48. Insoferne war die Nachkriegszeit eher die Ausnahme und die Vorkriegszeit der Normalfall, wo wir uns gerade wieder hinbewegen.

Das schlaue angelsächsische Mehrheitswahlrecht erleichtert das Regieren, funktioniert aber auch nicht mehr richtig gut (siehe Gore-Bush, siehe Clinton-Trump, siehe aber auch May-Corbin).

Wenn es funktioniert oder als die Nachkriegsbedinungen in Europa vorherrschten, finden die Koalitionen und ihre Konflikte innerhalb großer Sammelparteien statt.

Das hat auch Nachteile aber erzeugt Regierungen, die auch echte Reformen machen können, während jetzt praktisch alles nur Schein ist. 12 Stunden-Tag und Schleierverbot für Volksschulkinder. Politik - die Kunst des Möglichen, my ass.

But then again: Die explizit sichtbare politische Situation ist nur ein Symptom und auch im Artikel oben nur ein Nebengeräusch.

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das system zentralregierung ist mir ein rätsel. selbst oder vor allem nach der lektüre von e.p. thompson, "the making of the english working class". bin bei der frage: was wollten die luddisten wirklich? auf ihn gestoßen.

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Als ethnische Gruppe bezeichnete Max Weber eine "Menschengruppe, welche auf Grund von Ähnlichkeiten des äußeren Habitus oder der Sitten oder beider ... einen subjektiven Glauben an eine Abstammungsgemeinsamkeit hegen". So war das früher.

Ab ca. dem westfälischen Frieden und v.a. den englischen Revolutionen im 17. Jahrhundert hat der Begriff "Nation" seine Bedeutung so gewechselt, dass danach alle Menschen mit einer gemeinsamen "Mutter-Schriftsprache" eine Nation bilden. Da kommt dann auch die Zentralregierung eines geschlossenen Territoriums her. Das hatte es im römischen Reich schon einmal gegeben, aber vor allem trotz allen Bemühens nicht verhinderbaren verschiedenen Bibelübersetzungen und vollends der Buchdruck brachen die Macht der lateinischen Schriftsprache und brachten die Neuzeit und das bürgerliche Zeitalter hervor.

Jetzt hat die am Ende daraus folgende globale Integration mehr als 100 Jahre lang das geschlossene Territorium und die nationalen zentralen Regierungen obsolet gemacht und diese Einrichtungen und die zu ihr gehörigen Gefühle verbinden sich mit der vorbürgerlichen Kritik am Handel und an der Gefügigmachung von allem und jedem durch die bürgerliche Produktionsweise und ihre Verteilungsmechanismen, die Märkte. Absurd ist das aber echt nicht.

Die früheren "progressiven" Kritiker haben sich viel zu sehr eingereiht und viel zu oft versagt, als dass sie die mehrfache Rückwärtsbewegung der meisten Menschen, die nicht (mehr) an eine gloriose Zukunft glauben können, verhindern könnten. Aber glaub mir, die Zentralregierungen, so schrecklich sie in vieler Hinsicht waren, waren mit der Ausnahme von relativ kurzen Perioden in Deutschland, Russland, China und Kambodscha besser als die verschiedenen Lokalherrschaften, aus denen sie hervorgegangen sind. Im Durchschnitt natürlich, versteht sich.

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d'accord

👍

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last updated: 10.09.19 07:12
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Und noch etwas
Die Schutzkleidung ist ein großes Problem. Sie verhindert allzu oft, dass mann mit andere Säugetieren gut umgehen kann.
by StefanL (26.05.19 07:09)
Yeah
U get 1 big smile from me 4 that comment! And yes, i do not like embedded except it is good like this. It's like....
by StefanL (19.05.19 16:30)
Mustererkennung
Just saying. #esc #strachevideo pic.twitter.com/OIhS893CNr— Helene Voglreiter (@HeeLene) May 19, 2019 (Sorry, falls embedded asocial media unerwünscht ist…)
by tobi (19.05.19 10:57)
Yeah
That's an adequate comment! Und das erste Zitat ein ganz besonders tolles Beispiel für den "Umschlag von Quantität in Qualität".
by MaryW (15.05.19 19:57)
...
In the future everyone will be famous for fifteen people. – Momus You’ll always be a planet to me, Mr Bacchus. – Charon Fußnote! Find....
by tobi (15.05.19 14:07)
Now
I think I maybe know what you meant. It is the present we know best and the future we invent. And history is mostly used....
by StefanL (13.05.19 00:55)
...
???
by StefanL (05.05.19 21:15)
...
what about hindsight is 20/20?
by tobi (05.05.19 14:00)
Ja echt.
Vielleicht schaffen wir es aber ja wieder einmal auf ein Konzert zusammen.
by StefanL (01.05.19 05:55)
...
oh schade, verpasst…
by tobi (30.04.19 09:07)
...
Als ethnische Gruppe bezeichnete Max Weber eine "Menschengruppe, welche auf Grund von Ähnlichkeiten des äußeren Habitus oder der Sitten oder beider ... einen subjektiven Glauben....
by StefanL (28.04.19 07:28)
vielleicht aber
hat er auch während des Moderierens seinen Text sozusagen live in die Wikipedia kopiert? (leider wird diese theorie durch überprüfung der datenlage nicht unbedingt erhärtet.)
by chris (30.03.19 09:08)
d'accord
👍
by misc (28.03.19 09:28)
...
Na, heute wird er nicht weinen, sondern die Korken knallen lassen. Aber bald wird er wieder weinen, nämlich wenn er mit Verspätung merkt, dass der....
by ArchibaldL (27.03.19 06:15)
...
mal sehen, ob Döpfner noch weint, wenn heute die Abstimmung im EUP gelaufen ist…
by tobi (26.03.19 08:42)
Großbritannien
wäre auch ein gutes Beispiel. Trotz Mehrheitswahlrecht Koalition. Aber Du hast insoferne natürlich schon recht, weil ja die 10-Parteien-Demokratie eher der Normalfall ist als die....
by StefanL (25.03.19 21:50)
...
das system zentralregierung ist mir ein rätsel. selbst oder vor allem nach der lektüre von e.p. thompson, "the making of the english working class". bin....
by motzes (25.03.19 19:31)
von hinten aufrollend
energy:harvesting energy is ein nettes konzept des letzten jahrzehntes, für energieschluckendes kleinvieh. wahlergebnisse:bei mehr antretenden parteien geht sich seltener eine absolute aus, odr? die geschichte....
by motzes (24.03.19 17:16)
Hmm
Wir haben Ihre Kritik jetzt doch ernst genommen und einen Satz und einen Absatz eingefügt. Da war wirklich trotz der sehr engen und kompetenten Zielgruppe....
by StefanL (24.03.19 08:29)
Danke
Was fehlt? Ist extra nach einer klassischen McLuhan-Bacon Regel elliptisch, damit die geneigte Leserin eigene Schlüsse ziehen und eigene Recherchen anstellen kann.
by StefanL (24.03.19 08:28)

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