Donnerstag, 16. Juni 2016

Messung und Fortschritt

Messung, Intuition, Vertrauen, Komplexität, Teil 1

Bereits auf einer babylonischen Keilschrifttafel aus der Zeit der Hammurabi-Dynastie (1830 - 1530 v.u.Z.), findet sich eine geometrische Problemstellung mit Lösung, bei der der Satz des Pythagoras zur Berechnung von Längen verwendet wurde.

Papier aus China, Zahlen aus Indien und die Anwendung des Buchdrucks haben in Europa seit dem Wirken von Kopernikus, Bacon, Galilei und vielen anderen ein Wissenschaftssystem hervorgebracht, das die Natur durch die Kombination von Beobachtung, Messung, Experiment und mathematischer Analyse zu erforschen unternimmt. Das Bild, das sich die Menschheit von der Welt macht und was sie in ihr unternehmen kann, hat sich auf bis heute erstaunliche Weise erweitert und verändert.

Quelle: C:\fakepath\Zunahme_der_Zahl_bedeutender_Naturforscher.jpg
Die Zahl bedeutender Naturforscher nahm ab 1500 stetig zu, aber um 1700 vorübergehend ab.

Die Messinstrumente werden nach wie vor immer genauer und komplexer, der verfügbare Bestand an Messdaten steigt stetig an, ein "Naturgesetz" nach dem anderen wird gefunden, bewiesen und angewendet.

Unvollständige Messdaten und Wahrscheinlichkeiten

Das wohl wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts für unsere Vorstellung von der Welt war die Entdeckung, dass das Universum entweder doch nicht kausal determiniert ist oder wenigstens, dass wir die kausale Determination auf der Ebene der Elementarphysik nicht wahrnehmen können.

Begonnen hatte es mit der Statistik in der Mechanik schon früher, mit James Maxwell und Ludwig Boltzmann.

Die zuerst von Werner Heisenberg formulierte Unschärferelation ist eine Erkenntnis der Quantenmechanik, nämlich, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind. Das bekannteste Beispiel für ein Paar solcher Eigenschaften sind Ort und Impuls.

Die Unschärferelation ist nicht die Folge von vorläufigen und überwindbaren Unzulänglichkeiten der Messinstrumente sondern prinzipieller Natur. Die Messung des Impulses eines Teilchens ist zwangsläufig mit einer Störung seines Ortes verbunden, und umgekehrt. Wir wissen seitdem auch mit Gewissheit, dass es keine wirkungslose, passive Beobachtung und keinen außerhalb des beobachteten Systems befindlichen Beobachter gibt.

Quelle: C:\fakepath\Aufenthaltswahrsch-Elektron.png
Grafische Darstellung der Wahrscheinlichkeitsdichten der Orbitale der ersten und zweiten Elektronenschale als Punktwolken.

Man nicht mehr sagen, dass ein Elektron da oder dort auf einer Bahn um den Atomkern ist. Den Aufenthaltsort eines Elektrons beschreibt man durch ein Set von Aufenthaltswahrscheinlichkeiten. Und damit muss nicht nur die Wissenschaft sondern auch die Technik auskommen. Das ist, wenn auch viel genauer, doch nicht so grundlegend verschieden von den Wahrscheinlichkeitsaussagen, die man dafür machen kann, wieviele Leute zu einer Wahl gehen werden oder wieviele Menschen am Wahltag bei der Wahlberichterstattung zusehen.

Zählen, Klassifizieren, Normieren

Schon in der Antike versuchten Staaten wie das chinesische und das römische Reich, zum Zweck der Steuer-Erhebung und der Truppen-Aushebung ihre Bevölkerung zu zählen und zu klassifizieren. Seit dem Beginn des modernen Staatswesens in der frühen Neuzeit, wurden die Zähl- und Klassifikationsmethoden immer weiter verbessert. Bürgerliche Revolutionen in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika und die damit einhergehende industrielle Maschinenrevolution beschleunigten die Zählaktivitäten der Staaten noch einmal.

Die Verfassung der Vereinigten Staaten verlangte gleich zu Beginn alle 10 Jahre eine Volkszählung. Während bei der ersten Durchführung 1790 jedem Haushalt vier Fragen gestellt wurden, waren es bei der 10. Durchführung bereits mehr als 13.000 auf verschiedene Fragebögen verteilte Fragen zu Menschen, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Spitäler, Kirchen usw.

1884 reichte Herman Hollerith ein Patent für Zähl-, Sortier- und Rechenmaschinen auf der Basis der in der Textilindustrie eingesetzten Lochkarte unter dem dem Titel "Art of Compiling Statistics" ein. 1889 wurde ihm das Patent erteilt.

1890 wurden erstmals in Österreich und den Vereinigten Staaten Volkszählungsdaten auf Lochkarten übertragen und mit von Hollerith gebauten elektrischen Zählmaschinen aufgearbeitet. Aus seiner Firma Tabulating Machine Company wurde nach der Verschmelzung mit 3 anderen Unternehmen 1911 die Computing-Tabulating-Recording Company und 1924 IBM, das Unternehmen, das die ersten 50 Jahre der electronischen Computer-Revolution dominierte.

Quelle: C:\fakepath\cardpuncher.jpg
Hollerith Lochkarten-Puncher im United States Census Bureau

Die Sozialwissenschaft wollte nicht hinter der Naturwissenschaft zurückstehen. Dafür musste quantifiziert, gemessen und gerechnet werden. Für die Bestimmung sozialwissenschaftlicher "Gesetze" werden Einzelpersonen und Gruppen beobachtet, die Beobachtungsdaten mit öffentlichen Zensus-Daten kombiniert und die Ergebnisse in Wahrscheinlichkeiten ausgedrückt. Neue Methoden erzeugen auch neue Denkmuster, z.B. die Vorstellung von Normalität und Abweichung von Lebewesen, die sich seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr etabliert hat.

Das entsprechende Wissen vom Menschen und seinen Gesellschaften hörte auf, philosophisch spekulativ zu sein und wurde statistisch. Die von den Denkern der Aufklärung ganz verschieden aufgefasste aber von allen vorausgesetzte "menschliche Natur" wurde durch ein Bündel von statistisch ermittelten "Eigenschaften" einer Mehrheit von "normalen" Menschen ersetzt.

Seit in den 20er-Jahren die Quantenphysik akzeptieren musste, dass auch die Physik nur mehr mit statistischen Methoden und Aussagen weiterkommen würde, sollte klar geworden sein, dass beide Entwicklungen Hand in Hand gehen und zusammen das Erfassen der und das Handeln in der Welt nachhaltig revolutioniert haben.

Messen, Steuern, Verbessern

Mittels Messung versucht man heutzutage in einer immer weiter anwachsenden Menge von Bereichen die allzuoft in die Irre führende direkte Intuition zu ersetzen. Verhältnisse, denen nicht man nicht blind vertrauen kann, sowie komplexe Systeme ganz allgemein sollen mittels hoffentlich intuitiv erfassbarer, prüfbarer und praktisch verrechenbarer Metriken besser versteh- und handhabbarer werden.

Das Internet und vor allem die mit ihm verbundenen sichtbaren und unsichtbaren Geräte sind auf eine kaum mehr vorstellbare Art mit Messimpuls-Generatoren und Sensoren ausgerüstet. Und das in einer Quantität und Qualität, so, dass denjenigenen, die es wissen und zu verstehen versuchen, nicht selten unheimlich zumute wird.

Auf den ersten Blick sieht diese Entwicklung manchmal geradezu absurd aus. Wir vergessen dabei aber allzu leicht, dass das umfassende Messen nicht erst mit dem Internet seinen Siegeszug angetreten hat. Wir sollten auch nicht übersehen, welche Erfolge die Strategie der Verwendung von und Orientierung an nachvollziehbaren Metriken seit der Antike und ganz besonders seit der wissenschaftlichen Revolution des 16. Jahrhunderts für die Menschheit gebracht hat. Diese Erfolgsgeschichte und die daraus erwachsenden Hoffnungen stellen nach wie vor einen außerordentlich starken Entwicklungsmotor dar.

Auf der anderen Seite weiß man inzwischen allzu gut, dass Messen und Regeln auch verdunkeln, fehllleiten, stören und sogar zerstören können. Das Messen hat wie das Zählen und Rechnen prinzipielle Grenzen, die es in und aus sich nicht überwinden kann. Wenn man es unsorgfältig oder mit der falschen Absicht anwendet, führt es zu Problemen und Fehlentwicklungen, die im schlimmsten Fall tragisch sein können.

Manager müssen messen

Messen hat auch in Bereichen des menschlichen Lebens eine Bedeutung gewonnen, in denen seine Anwendung in der Vergangenheit schwer vorstellbar gewesen wäre. Die meisten Systeme, die Menschen benutzen oder bedienen, werden um quantifizierbare Eigenschaften herum gebaut. Sensoren, Computer und Software erlauben uns inzwischen, Dinge und Verhältnisse zu quantifizieren, die früher entweder ignoriert oder ganz anders betrachtet und betrieben wurden.

Ein häufig genanntes Zitat von Peter Drucker lautet "If you can’t measure it, you can’t manage it." Herr Drucker das zwar weder gesagt noch geschrieben, aber so funktioniert die Weitergabe vom Lehrer zum Schüler zur Allgemeinheit nun einmal. Nachdem Alfred Sinowatz in seiner Regierungserklärung "Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert ..." gesagt hatte, wurde medial sehr schnell "Alles ist sehr kompliziert ..." daraus und so wird es bis heute fast immer kolportiert.

"If you can’t measure it, you can’t manage it" reduziert einen komplexen Sachverhalt auf einen leicht wiederholbaren Merksatz, der rund um die Welt in Wirtschaftsuniversitäten sich abertausende Male weitergegeben wurde. Die zugrunde liegende Vereinfachung hat, wie bei vielen berühmten Zitaten, gute und noch mehr schlechte Auswirkungen.

Was Drucker, z.B. in "Management: Tasks, Responsibilities, Practices" wirklich schrieb, ist "Work implies not only that somebody is supposed to do the job, but also accountability, a deadline and, finally, the measurement of results —that is, feedback from results on the work and on the planning process itself."

Ein gescheiter Mensch wie Drucker wusste aber auch genau, dass es eine Menge ganz entscheidende Dinge gibt, die anders funktionieren. Einem gewissen Bob Buford, Chef einer Kabel-TV-Gesellschaft sagte Drucker 1990 folgendes: "Your first role is the personal one. It is the relationship with people, the development of mutual confidence, the identification of people, the creation of a community. This is something only you can do. It cannot be measured or easily defined. But it is not only a key function. It is one only you can perform."

Metriken für die Wirtschaft

Metriken sind in der Wirtschaft populär, weil sie es erlauben, einfache und effiziente Regeln aufzustellen. Gerade das TV-Geschäft ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Systeme entwickeln sich nicht zuletzt durch Anreize. Gute Metriken helfen dabei, Regeln aufzustellen, die Impulse für Verbesserung schaffen. Im Sport war das schon, seit er in der Antike erstmals beschrieben wurde, immer so.

Man denkt selten daran, aber die meisten Systeme reagieren auf sichtbare und unsichtbare Regeln, Strukturen und Impulse. Moderne Systeme zu managen, ob sie nun technisch, sozial, politisch, militärisch oder bürokratisch sind, hängt in einem beträchtlichen Maß davon ab, wie gut man Entstehung und Verwendung sowie die positiven und negativen Effekte der inzwischen allgegenwärtigen Quantifizierungen versteht.

Probleme mit Metrik und Zielen

Menschen, die sich schon mit den Stolperfallen des Messens beschäftigt haben, bringen gerne ein weiteres aphoristisches Zitat dazu, das unter dem Namen Goodhart's Law bekannt geworden ist: "When a measure becomes a target, it ceases to be a good measure." Auch das ist, wie sollte es anders sein, sehr vereinfacht. Was Charles Goodhart 1975 wirklich schrieb, ist: Any observed statistical regularity will tend to collapse once pressure is placed upon it for control purposes.

Eine andere Formulierung lautete: "As soon as the government attempts to regulate any particular set of financial assets, these become unreliable as indicators of economic trends." Jón Danielsson formuliert dazu eine aufschlussreiche Verallgemeinerung: "A risk model breaks down when used for regulatory purposes."

Wenn man einen Prozess, eine Entwicklung oder ein System managen will, hat das eben Gesagte weitreichende Konsequenzen, die wahrscheinlich tiefer gehen, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es hilft, sich Beispiele für grundlegendes Versagen von Messungen vor Augen zu führen, um zu verstehen, warum das, was Mr. Goodhart ausdrücken wollte, so wichtig ist. Es hilft auch, die Verhältnisse zu betrachten, die durch das Messen ersetzt aber dennoch innerhalb und außerhalb von Mess- und Regelsystem gebraucht werden: Intuition, Vertrauen und das (oft mangelnde) Verständnis komplexer Systeme.

Für alle Ersetzungen intuitiver und erfahrungsbasierter Wahrnehmung durch Modell und Messung gibt es gute Gründe, aber alle neuen Metriken schaffen auch neue Fallen. Wenn Messungen kompetentes Urteilsvermögen ersetzen, steckt oft eine Absicht dahinter. Sie können als Speerspitze für erwünschte, aber nicht notwendig richtige Veränderungen eingesetzt werden. Sie können auch so lange als Schild gegen jede Veränderung dienen, bis nicht nur das Messsystem sondern auch das gemessene System zusammenbricht.

In jedem Fall ist das Messen auch oft eine Ausrede, sich nicht der unaufgeräumten, anstrengenden, vielleicht keinen Sinn ergebenden und niemals endenden Auseinandersetzung mit dem menschlichen Leben, der Gesellschaft und den komplexen Interaktionen darin stellen zu müssen.

Und wenn Mess- und Regelsysteme ausfallen oder fehlerhaft sind, sind wir sicherlich gut beraten, wenn wir noch das Einschätzen und Handeln auf der Basis von Erfahrung und Intuition beherrschen.

Mehr aus der Serie "Messung, Intuition, Vertrauen, Komplexität"

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Sonntag, 5. Juni 2016

Farewell To Welfare

Die bedeutsamste Kritik von Karl Marx an der materialistischen deutschen Philosophie und besonders Ludwig Feuerbach war wohl, dass sie Wahrnehmung und Erkenntnis als passive und nicht aktive Tätigkeit begriffen.

Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv

Ironischerweise ist mir bei den Quantendynamikern und den biologischen Konstruktivisten, denen 100 Jahre später das Begreifen der Kognition als aktivem Prozess ein so zentrales Anliegen war, nie eine Referenz auf diese Kritik untergekommen.

Quelle: C:\fakepath\feuerbach.jpg

Ähnlich relevant in unseren Augen ist Marx' Kritik am Sozialismus der meisten seiner Zeitgenossen, nämlich, dass es ihnen in der praktischen Politik fast immer mehr auf Verteilungsgerechtigkeit ankam als auf eine radikale, die Wurzeln anpackende, Veränderung der Arbeitsteilung.

Sozialer Mainstream

Von 1890 bis 1920 und in der Folge bis heute hat sich in den Bewegungen und Organisationen, die für "die da unten" Partei ergreifen wollen, der Kampf für mehr Verteilungs- und Konsumgerechtigkeit flächendeckend als dominantes Anliegen durchgesetzt und gipfelt heutzutage in der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Heute ging in der Schweiz eine Volksabstimmung zum Thema mit 78%:22% verloren. Nichtsdestotrotz behält die Forderung in vielen Ländern der entwickelten Welt bedeutende Minderheiten der Bevölkerung und Teile der Elite hinter sich.

"Bedingungslos" scheint außer in Finnland und vielleicht Norwegen ziemlich utopisch zu sein, aber in Europa kann und will sich kaum ein Partei leisten, nicht für gute staatliche Kranken-, Pensions- und Arbeitsversicherungen zu sein. Die Unterschiede liegen da mehr in der Praxis und bei Höhe, Zahl und eben den Bedingungen für die entsprechenden staatlichen Transfer-Leistungen.

Auf der anderen Seite blieb das Bemühen um eine bessere und gerechtere Arbeitsverteilung überwiegend auf Anstrengungen für mehr (Aus)-Bildung nicht privilegierter Kinder beschränkt. Ein hehres Ziel allemal und immer wieder nicht nur auf die Rekrutierung von Funktionären der bestehenden Verhältnisse beschränkt. Die Grundlagen der Arbeitsteilung in der industriellen Produktionsweise wurden dadurch aber nicht berührt. Alle Bildungsverbesserungen änderten kaum etwas außerhalb der Zusammensetzung der jeweiligen Eliten.

Quelle: C:\fakepath\PoorhousePlan1.jpg

Im Rückspiegel

Karl Polanyi, ausgewanderter österreichischer Sozialwissenschafter hat in seinem Opus Magnus "The Great Transformation" die Herausbildung des Sozialstaates von den englischen "pauper laws" der Tudorzeit über die Durchsetzung der Marktwirtschaft im Vereinigten Königreich der 1830er Jahren bis hin ihrem Zusammenbruch in der Zwischenkriegszeit untersucht.

Die Spannungen zwischen der von einer Mehrheit der wirtschaftlichen Eliten bevorzugten "Selbstregulierung" durch verschiedene Märkte und den "Selbstschutzmaßnahmen" der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und damit auch der Staaten mündeten laut Polanyi 1929 im Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Diese globale Krise wurde in der Folge durch Faschismus, Sozialismus und New Deal an verschiedenen Orten auf verschiedene Weise und dann durch einen zweiten Weltkrieg, in jedem Fall aber nicht auf liberale und selbst regulierende Art und Weise, gelöst.

Nicht wenige Autoren des 19. Jahrhunderts meinten, sich wie ein Händler auf dem Markt zu verhalten, sei "natürlich" und jedes andere Verhalten im Bereich der Wirtschaft künstlich. Mit dieser Annahme, die heute, wo schon fast jede soziale Interaktion als Markt begriffen wird, kommt man einfach und schnell zu Selbstregulierungsfantasien aller Art. Die dafür notwendigen gewalttätigen Eingriffe blendet man umso leichter aus.

Weder gibt es Nachweise, dass Profitstreben für den Menschen "natürlich" ist, noch dafür, dass die Erwartung von Bezahlung von Arbeit ihm innewohnt. Die normalen Motivationen in der Arbeit sind Selbsterhaltung (biochemisch), Gegenseitigkeit, Wettbewerb, Freude und soziale Anerkennung.

Wirtschaftssysteme sind in der Regel in politische Systeme eingebettet. In den vergangenen 150 Jahren sollte sich dieses Verhältnis auf den Kopf stellen.

Quelle: C:\fakepath\kantosozialamt.jpg

Nach 1945 und mit Abschluss der vorstellbar gewalttätigsten Lösung der globalen Krise nach dem Zusammenbruch von Goldstandard und Weltwirtschaft war kein Staat der ersten und zweiten Welt mehr ohne umfangreiches Sozialsystem denkbar.

Dem Ende entgegen

Seit 1980 lösen sich aus einer ganzen Reihe von Gründen viele zuvor noch unangreifbare Übereinkünfte zu staatlichen Systemen der "Verarmungsverhinderung" langsam und in mannigfaltigen Konflikten auf. Das angloamerikanische Zentrum der globalen Welt war im langen Jahrzehnt von 1980 bis 1990 wie in so vielen anderen Dingen der Vorreiter. Die Auflösung von Sowjet-Union und Ostblock tat ein übriges.

Als bekannteste Galionsfiguren dieser Veränderung sind Ronald Reagan und Margret Thatcher bekannt.

Die Volksrepublik China hatte seit ihrer Gründung und bis heute nie ein Sozialsystem, das aus europäischer Sicht auch nur eine Nebendebatte wert wäre. Besonders lustig fanden wir hier immer, dass man mit den linken europäischen Fans von Mao Dse Dong nicht einmal darüber reden konnte, das in der Volksrepublik kein nennenswerter Mietwohnungsmarkt existiert und Auszug aus der elterlichen Wohnung den Erwerb von Haus- oder Wohnungseigentum oder die Übersiedlung in ein Arbeiterwohnheim voraussetzt.

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Montag, 30. Mai 2016

A Big Island

Mr. Piefke 3000 pointed us this very accurate if not quite complete description of the vast empire a certain Mr. Suckerberg or so has created without bombs and guns and ships and planes and tanks.

No, created it was only with the help of venture capital, the stock exchange and the easily available results of scientific research in binaray mathematics and logics technology. And those resulte were mostly organized and funded by the the federal governement of the USA, the DOD in particular with money provided for by the American citizens. No evil plan was behind that, only consumer capitalism rules and 60 years of television experience.

Quelle: Social-media-1.jpg

That is the island that Marshall McLuhan perceived or predicted as a global village. With all the bads and goods of that form of social organisation included. And certainly not modeled on the city of citizens. But now it's coming out a bit different than it must have appeared then. In his time the laws of television economy in conjunction with not yet wholly obsolete print tech produced more national and international consent and hence social and international peace then ever before in the last 3000 years.

FBs algorithms on the other hand, informed by the target group thinking model and big data set theories help segment everything rather into a vast network of a million overlapping peer control villages with invisible frontiers that only appear when condensed and projected elsewhere.

On the tool and user interface side the relation between facebook and the real internet is like the relation between elements novice mode vs. full blown photoshop. The only thing facebook can teach is how to become a world class expert in how to communicate like a really popular teenager. Which in itself is an ability never to despise. In all matters else it adamantly keeps you in child or rather scrub mode.

Whereas in the eighties billionaires and poor girls from any province still releaxed after work with the same TV shows and their respective schemes and watched the same TV-news a change to segmentation in mass media entertainment is taking shape too. Ther are expensive high class cable, pay satellite and streaming service shows for winners and second tier or older shows for single mothers and the unemployed.

What the TV inspired Global Village of McLuhan and the tightly knit Archipelago of Suckerberg have in common is a sharp rise in peer control, as compared to a time when citizens tried to live by rules in public and were in private when not in an office, train or using a wall connected telephone, letting God be a good man.

Brave New World. At the surface all is very much distinct and discriminate, only the invisible rules at the core are the same for everyone. Long live the target group and the global village. Guns and bombs included, of course.

Do not read obsolete books with updates of outdated theories from the likes of Piketty or Negri and Hardt. Start studying Shapiro and Varian and theories of matching markets. Matching markets are mostly not markets in the same way as markets are not conversations. But here is a field that is worth to start with if you seek to have political conversations worth having. These studies also help with negotiation, which is never a bad thing.

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Sonntag, 22. Mai 2016

That Will Be the Year and Day That Was

flashmob pic aus ytube

Was ist so falsch an den FlashMobs für Van der Bellen?

Warum hat die tinytalk-Chefetage allen Mitarbeitern die Teilnahme strikt untersagt?

Nichts, würde man meinen, das ist doch absurd. Und wenigstens, wenn's nichts nützt, dann schadet es auch nicht, odrrrr?

Die tinytalk-Chefredaktion ist wie so oft wieder einmal ganz anderer Meinung.

Aus unserer Sicht demonstrieren und fixieren diese singenden Flashmobs einen bedenklichen Mangel an Bereitschaft zu echter Auseinandersetzung mit der Geschichte, eklatante Lücken in der politischen Theorie der Demokratie, eine komplette Verwechslung und Verkennung gesellschaftlicher und tagesaktueller Kontexte und Wirkungen, politische Einfallslosigkeit und eine wasserdichte Einschließung in einen vergangenen und schon obsoleten gesellschaftlichen Konsens.

Ihr Kleinbürger mit den mehr oder weniger kreativen kognitiven Wissens-Arbeits-Jobs, habt Ihr in den 100 Jahren seit 1918 gar nichts gelernt? Warum wollt Ihr weiterhin mit obsoleten Mitteln aus dem 19. Jahrhundert zur falschen Zeit praktisch keine Wirkung erzielen? Warum ist Euch Euer auch schon längst Gesichtsbuch-gestützter Gruppenkonsens wichtiger als alles andere? Glaubt Ihr echt, dass so ein Gesang einen einzigen weiteren bequemen und nicht schon dazu gehörenden Hofer- und FPÖ-Ablehner zu den Urnen treiben und die Niederlage damit um ein Promille erträglicher machen könnte? Oder wollt Ihr den neuen BP schon auf die kommenden furchterregenden Lichtermeere vorbereiten? Oder gerne in Spiegel Online lesen, dass nicht alle Österreicher Nazis sind?

Demonstrieren und Singen sind gute traditionelle Mittel, um den ähnlich fühlenden Anderen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, um die innere Einheit und Motivation zu stärken und den anders empfindenden Anderen zu zeigen, dass man da ist und sie vielleicht wegen der dadurch beflügelten Widerstandsbefürchtungen dazu bewegen, die eine oder andere Arsch-Maßnahme schon vor der Durchführung abzusagen oder wenigstens abzuschwächen.

Als solche gehören sie zur fortlaufenden politischen Organisations- und Motivations- und Propaganda-Arbeit. Unmittelbar vor und nach demokratischen Wahlen, und um eine solche handelt es sich wohl heute, und um eine solche wird es sich auch 2018 handeln, erzeugen sie eher Gewissenserleichterung, Illusionsproduktion und wohlige Schauer in dem Gefühl, zu den Gerechten unter den Völkern zu zählen. Narzissmus bringt aber auch in den besten Klamotten politisch nur was, wenn man auch dauernd mit dem Trainer an sich arbeitet wie der Herr Hofer.

So risikofrei und gemütlich wird es wahrscheinlich nicht weiter gehen. Die diesem Land von außen auf-konstruierte Konsens- und Kompromiss-Demokratie hat sich samt ihren Leib- und Magenmedien nun 20 Jahre lang selbst ausgehöhlt und funktioniert ganz bewusstlos nur noch als Rutschbahn für eine kleine wachsende Elite, die mit ihrer seltsamen Mischung aus Rückwärts und Vorwärts so schön wie aus den 20er und 30er-Jahren herüber-gebeamt erscheint.

Die Methoden von Leader Vranitzky (Entmachtung durch Ausgrenzung und Schulterschluss des Mittelwegs) und Leader Schüssel (Entmachtung durch Einschluss und Entzauberung) haben beide alles nur verschoben und rein gar nicht funktioniert.

Und wiewohl, intellektuelle Kleinbürger, viele von Euch sowohl das Vranitzky- als auch das Schüssel-Rezept mit den Lippen und sogar schriftlich abgelehnt haben, haben alle schon immer schön brav mitgemacht.

Und nichts anderes als Mitmachen und Konsens-Politik sind auch die singende Flashmobs. Europa lebt im Rückspiegel und wird, wenigstens in den nächsten Jahren unaufhaltsam ungemütlicher werden. Wir "Guten" haben gepennt und uns nicht schlecht eingerichtet.

Es macht auch relativ wenig aus, ob da z.B. Hollande, Sarkozy oder LePen an der Spitze des Spitzenlandes steht. Die bestehenden politischen Eliten haben gar nicht die Mittel, daran schnell etwas zu ändern. Immerhin steht kein Weltkrieg und stehen keine Lager zur Debatte. Eher schon subsistenzentlohnte Zwangsarbeit für Arbeitslose und die gnadenlose Besetzung von Leitungspositionen für die Anhänger der Neuen. Zweiteres macht aber doch jede politische Elite, nicht wahr? Und ohne Zwangsarbeit gibt's auch mit gemäßigten Parteien nur Subsistenz-Entlohnung. Die Ausgemusterten dürfen dann halt herumhängen und autodestruktiv sein.

Wegen all dem ist auch die Verwendung des Begriffs "Faschismus" so falsch. Für die neue Elite und noch mehr für ihre Wähler, nicht wahr Herr Menasse, so wichtig im Kurier? Gewiss gibt es viele Ähnlichkeiten mit den faschistischen Bewegungen und Parteien der Zwischenkriegszeit, es gibt aber auch große Unterschiede. Wir leben nicht mehr im Zeitalter von Stahl und explosiver Chemie.

Das ist ja alles noch da, aber kleiner und komplexer und es dominiert nicht mehr. Wir leben im Zeitalter der alles durchdringenden kybernetischen und bitweise manipulierbaren elektronischen Verrechnung und Kommunikation und der biochemischen Steuerungssubstanzen. Und schauen permanent 360°-3D in den Rückspiegel der aktuellen analogen Revolution.

Jetzt wird Österreich für die Bequemlichkeiten der letzten 20 Jahre Raten abzahlen und in 10 oder 15 Jahren werden wir zusammen mit dem übrigen Europa die Rechnungen für die teils widerwärtigen, teils nur unangenehmen Taten der nächsten 7 Jahre begleichen.

Für wen wird es denn ungemütlicher werden? Vor allem für Führungskräfte, die ihren Job abgeben bzw. sich ständig mit mehr Druck und härteren Entscheidungen und Kompromissen zwischen ihrem Eigeninteresse und jenen der über und der unter ihnen plagen werden müssen. Für all uns Linke, Liberale und selbst ernannten Humanisten und Internationalisten, weil wir uns von nicht geflüchteten Ausländern hierzulande und, wenn wir zu Ihnen fahren, persönlich und medial Spott und Häme gefallen lassen müssen. Und weil wir mehr schlechtes Gewissen zu ertragen haben, wenn der Staat nicht mehr für unseren Geschmack ausreichende Charity für uns erledigen wird.

Vielleicht schon auch, weil wir irgendwie ahnen, dass das nicht gut gehen kann, und eine vielleicht noch grauslichere Rechnung auf uns, unsere Kinder und Kindeskinder zukommt. Mit diesem Gedanken sind wir aber reichlich spät dran. Vor 26, 21 und 10 Jahren ging einfach immer wieder die große Koalition in die Verlängerung. 2006 waren die meisten doch einfach froh, dass die FPÖ kalt booten musste und uns 10 weitere Jahre mit gutem Essen, iPhones, jeder Menge Facebook-Likes, Geiz ist Geil, anregenden Gesprächen und der so genannten sozialen Marktwirtschaft geschenkt wurden.

Was Europa und Österreich wirklich brauchen, ist eine echte Demokratie in den vereinigten Staaten von Europa. Und das kann nur mit viel viel mehr Aufwand in der politischen Arbeit kommen. So eine Demokratie kommt ganz sicher nicht mit der heutigen Effizienz-optimierten Arbeitsteilung zwischen Parteien und Experten, der Kommission und den Regierungen, den ehrgeizigen und abgehobenen Jungexperten-Bürokraten in den Brüsseler Diréctions Genérales, den zuhause nicht mehr gebrauchten abgeschobenen Berufspolitikern des Debattier- und Presseaussendungs-Clubs in Strassburg und so weiter und so fort.

Auf dem Weg dorthin scheinen mir ein paar Jahre mit beim nächsten Mal führender Beteiligung der Freiheitlichen Partei Österreichs an Regierung, Rechtsentwicklung und Verwaltung des Landes ebenso unumgänglich wie das hoffentlich endgültige Ende der SMEPS (Soziale Marktwirtschaftliche Einheitspartei des Schnitzellands).

There is no such thing as a free lunch. Leider werden wir uns unter BP NH und BK HC auch nicht mehr so mitfühlend über den gerade wohl comebackenden Avigdor Liebermann aufregen können.

Remember the war against Franco?
That's the kind where each of us belongs.
Though he may have won all the battles,
We had all the good songs.

Addendum und Korrektur

NH ist entgegen unserer Einschätzung doch nicht BP geworden. Für die entsprechende Vorwahlarroganz muss sich die tinytalk-Redaktion bei der Leserschaft entschuldigen. Sie tut das nicht gerne aber doch ernst gemeint.

Sie sieht andererseits jedoch keinen Grund, von der prinzipiellen Einschätzung der Lage abzurücken. HC wird für den Job als BK keine 50 Prozent und 1 Stimme brauchen, nur die relative Mehrheit, 2 Stück Kreide (er übt schon) und einen umfallenden Teilvorstand der Sozialen Marktwirschaftlichen Einheitspartei. 2/3 zu 1/3 dass die dunkelgraue Elite kollektiv schneller umfällt als die rosarote. Alles ist möglich.

It's a pity. But then again:
Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.

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Donnerstag, 21. April 2016

Farewell and Tears

Like everybody reasonable else the Tiny Talk Charitable Trust bids farewell to Prince Rogers Nelson who died this morning at his estate.

Thanks to the art of recording many memories will be presevered pretty faithfully. Still, knowing that musicians' greatest sounds happen outside the public sphere, we feel urged to quote one Roy Beatty: All those moments will be lost in time like tears in rain. ..... Time to die.

Just be patient 4 3 minutes & 28 seconds and watch him playing 4 angel George and all the rest of them & us. You the man. God speed.

And now 4 the final march & dirge.

One last thing, Prince, do not forget to say hallo to Whitney. It's not right, but's ok.

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by chl (12.12.16 21:18)
Relevant but not too smart
All the weaknesses of Mr. Sunde's Argument are already mentioned in the article. The Problem with GOOG and FB is that national and international laws....
by StefanL (06.06.16 19:20)
yeah
and glad if you like it. looking forward to next conversations, amiable arguments included.
by StefanL (02.06.16 02:19)
...
Relevant(?): Zuckerberg Is Dictator of The World's Largest Nation, Pirate Bay Founder Says Anyway, I am happy you reliably point into some different directions and....
by tobi (31.05.16 20:50)
...
Gegeben, und die Liste der Helfershelfer, Steigbügelhalter und Wasserträger ist lang und vor Herrn Potiorek hätte dann noch einer unserer historisch verbürgten Lieblingshelden erwähnt gehört,....
by StefanL (24.04.15 17:27)
...
missing links...
by wilhelm peter (02.01.15 16:15)
Tiny Rise in Price
We're sorry or rather not that sorry to inform you that the educational device package our scientific dptmt. has on offer for the better, aka....
by DogbertA (01.01.15 11:48)
...
a wonderful song - i remember bacharach as musical director of marlene dietrich - the man behind her chanson appearance - one of the most....
by wilhelm peter (30.12.14 20:56)
Lieber Piefke 3000
Weil wir so sind und weil wir nicht so sind, haben wir jetzt die gesamte seriöse Literatur zu Körner besorgt, deren wir, dank sei dem....
by StefanL (27.11.14 22:17)
...
Oskar Potiorek is to blame. (Just kidding, but he could be in your list, too.)
by tobi (22.11.14 13:41)

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